DIE UNTERNEHMER ALEX S. RUSCH UND FERRIS A. BÜHLER SCHÄTZEN WISSEN ALS ERFOLGSINSTRUMENT. SIE GEBEN IN MOTIVATIONS-SEMINAREN HANDFESTE PRAXISTIPPS.
Von Cordula Nussbaum
Die sonore Stimme aus dem Off sorgt für Verwirrung. "Befreien Sie sich von Kleidung..." Die 25 Seminarteilnehmer blicken irritiert um sich, und atmen erst erleichtert auf, als die Männerstimme den Satz vollendet: "...die sie am Atmen hindert." Uff, Glück gehabt. Im Flugbegleiter-Tonfall erteilt Mr. Unsichtbar weitere Instruktionen. "Vermeiden Sie Konversation mit Ihrem Sitznachbarn" und "Holen Sie die Seminarunterlagen erst auf Aufforderung heraus".
Dann kommt die Geisterstimme in Fahrt. Und das Publikum reckt gespannt die Hälse. "Meine Damen und Herren, begrüßen Sie Alex S. Rusch und Ferris A. Bühler." Zwei junge Kerle springen übertrieben dynamisch seitlich auf das Bühnenpodest und begrüßen nervös-munter ihre zahlenden Gäste.
Vorhang auf für "Noch erfolgreicher 101" an einem Montag Nachmittag im Ballsaal des Züricher Marriott-Hotels. Doch bevor es richtig losgeht, werben die beiden Trainer zuerst noch für das Folgeseminar, das am Abend stattfindet.
Kein Unterricht für Massen
Sie versprechen, heute werde viel Neues zu hören sein. Preisen die Hörbücher und Arbeitsunterlagen, die jeder Teilnehmer mit nach Hause nehmen darf. Und halten eine Pulsuhr in die Höhe. Die wollen sie unter den Teilnehmern verlosen, die am Ende des Seminars einen Feed-Back-Bogen abliefern. Dann steigt Ferris A. Bühler endlich in den ersten Seminarpunkt ein - in den Lehrstoff, für den die 30- bis 60-jährigen "Schüler" 595 Mark bezahlt haben. Hinter dem Rednerpult stehend, blickt der 25-jährige "Lehrer" auf seine Schulklasse nieder, die sich über sechs Tischreihen breit gemacht hat. Die Aspiranten auf ein glückliches Leben fest im Blick, klärt er sie über seine Erfolgsrezepte auf.
Nur gezielte Fragen führten zum Ziel. "Wer fragt, bekommt was er will." Und: "Viele Leute wollen sogar gefragt werden." Zuhörern, die noch mit sich hadern, ob sie das können, stellt die Geisterstimme die entscheidende Frage: "Was ist das Schlimmste, was mir passieren kann, wenn ich dies oder jenes frage?" Darüber können die Teilnehmer nachdenken, während dezenter Instrumental-Sound einige Minuten Pause bis zum zweiten Akt setzt. Der handelt von "Spaß im Leben", und "Pauker" Alex S. Rusch erläutert kritisch dreinblickenden Damen und Herren, sie sollten ab sofort "Spaß" fest in den Tagesablauf integrieren. Sich selbst und anderen eine Freude machen, das Leben genießen, dann komme der Erfolg von alleine, verspricht der 32-jährige Chef mehrerer Firmen.
Das Szenario wirkt befremdlich. Zwei junge Männer erteilen Frontalunterricht. Sie wollen teils doppelt so alten Gästen Erfolgs-Know-how vermitteln. Rusch erläutert, wie sie sich und ihre Leistungen selbstbewusst verkaufen. Kommt selbst aber kaum hinter seinem Rednerpult hervor und schaut seinen Kunden selten in die Augen. Auch die Pausenmusik im Seifenopern-Sound wirkt eher einschläfernd als motivierend, und anfeuernde Mitmach-Spiele stehen nicht auf der Tagesordnung.
Doch der erste Eindruck ändert sich rasch. Nach einer kurzen Kaffeepause, in der sich die Teilnehmer halblaut plaudernd mit frischem Obst stärken, haben Rusch und Bühler ihren Rhythmus gefunden, und ihr Konzept entfaltet seine Wirkung.
Es wird deutlich, dass lautes und buntes Beiwerk bei den Schweizern keinen Platz hat. Seminarinhalte und Themen schöpfen zwar auch sie aus dem bekannten Repertoire der großen Motivations-Trainer wie wie Jürgen Höller, Carl Strunz oder Emile Ratelband. Doch die großen Show-Effekte der Gurus haben in dieser Veranstaltung keinen Platz
Show-Effekte nicht gewollt
Schon der Aufbau der Seminare in jeweils zwölf Lektionen zeigt, dass die beiden Schweizer ihre kleinen Schlüssel zum Erfolg lieber auf schulmeisterliche Art daher bringen. Und sich so bewusst von den spektakulären Massenveranstaltungen der bekannten Verbaldrogen-Jongleure absetzen. Während der "bekloppte Holländer" Emile Ratelband zum Auftakt seiner Veranstaltungen aus einer rosa Kunstnebelwolke sprang, und die Leute auf den Stühlen stehend zum "Fuck-them-all"-Rufen anstiftete, verkaufen Rusch und Bühler auf ruhige Art solides Handwerkszeug aus dem Erfolgssortiment.
Das Duo präsentiert in Zürich klar strukturiert, wie kleine Tricks das Leben erleichtern und das Durchhaltevermögen stärken. So entlaste ein "Warten auf Antwort"-Fach im Büro das Hirn. Ein Schweizer Taschenmesser in der Hose macht einen zum gefragten Helfer.
Klar aber, dass bewährte Klassiker aus dem Werkzeugkoffer bekannter Erfolgsprediger auch hier nicht fehlen: Ziele finden und setzen (Lektion 3), Gewohnheiten (Lektion 6), Motivation (Lektion 7), Handeln (Lektion 12). "Wir halten unser Seminar auf eine lebhafte Art, aber wir wollen unbedingt seriös daherkommen", sagt Alex S. Rusch. "Viele Firmen schicken ihre Mitarbeiter nicht auf Seminare, bei denen getanzt und geschrien wird. Das gilt als unseriös."
Also Schule spielen aus reinem Kalkül, um möglichst viele Firmen als Seminarkunden zu gewinnen? "Nein. Wir halten maximal fünf Seminare im Jahr, weil wir uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren wollen", sagt Rusch. Private Seminare für Firmen bieten die beiden nicht an. Wer von ihrem Wissen profitieren möchte, muss auf die seltenen Seminare kommen, oder sich die Lektüre und Hörbücher des Duos kaufen (siehe Box).
Kompetenz kommt an
Die ruhige, informative Art kommt bei den Besuchern gut an, von denen sich viele in einem Um-bruch befinden, oder sich gerade in einer Talsohle erleben. "Es ist gut, dass sie zeigen, wie man mit vielen kleinen Schritten zum Erfolg kommt", sagt Uschi Schmid aus Fricktal/Basel. Die 44-Jährige heilt Menschen mit der Magnetfeld- Resonanz-Therapie. Zehn Mitarbeiter hat sie heute, ihr Ziel ist ein Team mit 1000 Leuten. Können Rusch und Bühler ihr dabei helfen? "Ja, denn sie zeigen mir, wie ich den Alltag besser bewältigen kann, und haben mir jetzt Mut gemacht, mehr Spaß in mein Leben einzubauen", kommentiert die Therapeutin.
Auch Verena Hasler, kaufmännische Angestellte aus Lenzburg, lobt die konkreten Tipps. "Ich werde jetzt mehr für mich tun und Eindrücke aus dem Seminar in den Job einbringen", sagt die 50-Jährige in der Kaffeepause.
Dass Rusch und Bühler das Seminar aus Spaß an der Sache halten, und nicht damit ihren Lebensunterhalt verdienen, wird im Verlauf des Seminars immer glaubhafter. Ihre Erzählungen kommen erfrischend natürlich daher. Keine Spur von hypermotivierten Trainern, deren eingemeißeltes Lächeln an den fälligen Zahnarztbesuch erinnert. Da stört es nicht, dass sie sich gelegentlich verhaspeln.
Autor: Nussbaum, Cordula (CoNussbaum@aol.com)
SIE SIND AUCH OHNE GEBRÜLL UND GROSSE SHOW-EFFEKTE ERFOLGREICH
Zwei junge Schweizer wandeln auf den Fußspuren der bekannten Motivations-Gurus: Alex S. Rusch und Ferris A. Bühler geben ihr Erfolgswissen gerne weiter. Vor einigen Jahren wurde Alex S. Rusch noch milde belächelt. Im Einzimmer-Appartment gründete der Schweizer 1994 den Rusch-Verlag, einen Hörbuchverlag für Motivations- und Erfolgsbücher. Tagsüber arbeitete er als Juniorberater in einer Werbeagentur. Nachts und an den Wochenenden produzierte er sein erstes Hörbuch: "Denke nach, werde reich" von Napoleon Hill. Seit 1996 führt der heute 32-Jährige den Rusch-Verlag als Fulltime-Job und machte ihn innerhalb von zwei Jahren zum Marktführer im deutschsprachigen Raum. 1999 wurde Rusch Mitglied der Young Entrepreneurs Organisation (YEO), deren Mitglieder unter 40 Jahre alt sind und einen Jahresumsatz von über einer Million Dollar haben. Ferris A. Bühler trat 1999 als Pressesprecher in den Rusch-Verlag ein. Seit Dezember 1999 ist er Chefredakteur der Zeitschrift "Noch erfolgreicher!" (verkaufte Auflage: 5000 Stück). Schnell avancierte der 25-jährige Schweizer zu Alex Ruschs Partner. Er ist Gründer und Chef der Ferris Bühler Communications in Baden. Außerdem hält er Anteile an einigen Rusch gehörenden Firmen, wie dem Rusch- und dem Aufsteiger-Verlag, der Noch erfolgreicher AG und Audiobook Productions. Die beiden beschäftigen zehn Mitarbeiter. Seit Anfang des Jahres führt das Erfolgs-Duo einzelne Seminare in Deutschland und der Schweiz durch. Nächster Termin: 12. November 2001 in Frankfurt (Queens Hotel). Anmeldung: seminar.
MOTIVIERTE REDNER
Pro
Matthias Pöhm, Trainer und Buchautor, Bonstetten/ Schweiz. Das Seminar hat's voll gebracht. Alex Rusch tut, was er predigt. Und obwohl er so jung ist, wirkt er kompetent. Als Unternehmer ist er vorbildlich. Ich habe wirklich einige Tipps gehört, die ich umsetzen will. In Zukunft werde ich nicht mehr so viele persönliche Treffen mit Leuten machen. Zeitsparender ist ein Konferenz-Telefonat. Außerdem ist mir klar geworden, dass es nur wenige Kunden sind, mit denen ich 80 Prozent meines Umsatzes erziele. Jetzt werde auch ich meine Energie mehr auf wichtige Kunden konzentrieren. Alex Rusch arbeitet sehr strukturiert. Das tut jeder Firma gut, auch meiner.
Contra
Daniel Heiz, Inhaber der Akademie für Lebenserfolg, Bern/Schweiz. Das war keine Veranstaltung zum Lernen, sondern um Ideen rauszupicken und die in einem weiterführenden Seminar zu vertiefen. Nur schnell irgendwelche Methoden andeuten, kann falsche Reaktionen auslösen und sich sogar negativ auswirken. Menschen müssen Regeln richtig lernen. Rusch und Bühler haben in kür-zester Zeit jede Menge Tipps gegeben, und obwohl sie sehr jung sind, haben sie es gut gebracht. Aber ein Seminar, bei dem die Teilnehmer die Schulbank drücken und der Referent Monologe hält, hat nicht dieselbe Tiefenwirkung, die rüberkommt, wenn Leute mitmachen und beispielsweise über Scherben gehen. Das ist nämlich kein unseriöser Show-Effekt. Menschen sollen nur auf ihre innere Stimme hören und so Unmögliches schaffen.
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